Air & Style Records

Fünf Sterne deluxe

 

Sillium

"Hier kommt die Band, die bald so bekannt ist wie Neger Kralle auf dem Kiez..."
(Bo 221/Fünf Sterne deluxe in "Dein Herz schlägt schneller")

"The best German rap record I've ever heard."
(Brian Brater / Rawkus Record N.Y., Ohrenzeuge der 1. Single "5 Sterne deluxe")

"Das ist ja Punk rock?!"
(Ted Gaier / Die Goldenen Zitronen, Konzertbesucher PopKomm 1997)

Tobi, bo, marcnesium und DJ Coolmann ... Fünf Sterne deluxe sind zu viert und sie gehen den dritten Weg, was Hip Hop betrifft. Ihre Sache ist es weder den hiesigen Schlager qua Pop Rap aufguß in den Mauern von 1998 zu restaurieren. Noch ist es ihr Ding, sich dem heiligen "Keep it real" Kreuzzug anzuschließen, der sich hierzulande so gestaltet als werde die Hip Hop Bundeslade von teutonischen Tempelwächtern behütet, die sich für heiliger als KRS-1 halten. Unsere Helden sind notorisch kiffende Ketzer von der Sorte, die lieber ihre eigene Kirche aufmachen: The church of chill (churchill), wenn man so will.

Den Schlagertypen und den Kreuzrittern wird mit der im Selbstversuch getesteten Substanz "Sillium" gleichzeitig der Brunnen vergiftet. Doof, penetrant & systemkonform die Einen; Freudlos und abgenudelt die leidigen Debatten der betriebsblinden Anderen. Wo es nur noch um die fettesten Beats (die haben andere inzwischen auch) und die halsbrecheristen Reim Skills (die Konkurrenz schläft nicht) geht, lassen Fünf Sterne deluxe es jetzt um größere Ziele gehen: Um Angst vor Behörden. Um Sell Out Exorzismus. Um Freistildenkertum. Und um die Welt.

 

Ein Beispiel:
In einer Zeit, wo ehemalige Eurotrash Kommandos in Ami Tarnkappen Rap Revolution feinern, springen Fünf Sterne deluxe in die freigewordene Lücke und erobern sich Nachtfieber Terrain zurück: "Discotizer", eine über 100 bpm scharfe Disco Bombe, zündet als Virus imSystem der Rap Spießergilde und schmeckt als Arschfutter der Big Beat Generation. Dabei ist die Nummer genau Hip Hop-immanent wie weiland die Housemusikausreiße der Jungle Brothers ("I'll House You") oder von 45 King ("Clubscene").

 

Noch'n Beispiel:
Das Dokument einer Pilgerfahrt mit einem Freistildenker aus dem Mutterland. Beatbox Champion und Original N.Y. Rap Scherzbacke Biz Markie (Altkumpel der Beastie Boys, von De La Soul und Big Daddy Kane) verbrachte einen virtuellen Urlaub in HH und gemeinsam ging es kopfüber in die Nacht: "Will Schmith Meer Gayne" basiert - wie sein Geschwist "Willt Du mit mir gehn" (Episoden Rap!) - auf demselben Sample Riff, das damals "TheSymphony" von den Juice Crew All Stars (laut SOURCE bestes Hip Hop Posse Stück aller Zeiten) zierte. Biz Markie zersingt den Refrain in der Sprache seines Namensgebers Otto Fürst von. So baut man Brücken ab und geht übers Wasser.

 

3. Beispiel:
Ein Song über die Crux mit den vielen falschen Freunden, die man als mißverstandene Ex-Fun Rapper (Der Tobi & Das Bo) machte und das Damokles Schwert des hiesigen Give the People What They Want Hitparaden Imperativs. Was tun Fünf Sterne deluxe: Entertainment from Hell! Sie kasteien die besessene Gemeinde mit einer Discopeitsche namens "Hip Hop clowns", die aus dem Nebenraum gehört alles das zu sein scheint, was man der Band vorwerfen möchte. Aber Achtung: Hier werden Sell Out Dämonen geweckt, frei gelassen, um dann von unseren vier Magiern böse grinsend weggetanzt zu werden. Das ist Bionic Boogie Voodoo à la Fünf Sterne deluxe.

 

 

Als Beatmaschine Tobi Tobsen neulich (im Oktober 1997) in New York weilte, um das vorliegende Album im dortigen D&D Studio abzumischen, brachen sich einige Kollegen dann auch den Hals, kopfnickenderweise. Tobsen sammelte Props bei Zeitgesnossen wie DJ Evil Dee von da Beatminerz (Blackmoon u.a.), neben Funkmaster Flex bester DJ von New York, gerade weil hier ein eigener Weg versucht wird, der trotzdem dope ist. Resultat: da Beatminerz Remix auf der Debüt 12" "5 Sterne deluxe" ... oder anders: der "Sillium"Effekt. Es wirkt.

Einheimische Kollegen, die schon vorher dasFieber erwischt hatte und die sich auf dem Album verbal als krank outen, sind Hamburgs No. 1 MC Jungstar Samy deluxe, mit dem man so gemütlich im"Penthouse" abhängt und sich ein Stück Tapete als Tütenfilter aus der Wand reißt, und der Neu Hamburger Asi-Metriker Ferris MC (ex F.A.B.), der irgendwie bei der Geburt von Wu-Tangs Method Man getrennt worden sein muß, vgl. "Sowieso".

An anderer Stelle traf man die Beastie Boys unterwegs ins leider proppevolle "Nirvana" zur Audienz beim Dalai Lama. Dann wieder erwacht der Reisende im Feldlazarett der Moderne, wo Bo den Post-Schwindsüchtigen "Schund" aus seinem Tagebuch zum Besten gibt und sich unbescheiden der schwedischen Nobelkommission empfiehlt...

Sie merken schon, liebe/r Leser/in, hier geht offensichtlich einiges. An dieser Stelle möchten wir Sie nun ohne weiteres bitten, Ihre Portion "Sillium" einzuwerfen und auf Geistreise zu gehen, während der Körper sich, so haben es die Erfinder ersonnen, gleichzeitig in Bewegung befindet (vgl. "Sillium", dasTitelstück).

Free your mind and your ass will follow (oder umgekehrt) war gestern.
"Sillium" ist morgen.